Induktive Beeinflussung entsteht durch magnetische Wechselfelder, die metallische Leiter durchsetzen. In Hochspannungsfrei-leitungen fließen Wechselströme, die zeitlich veränderliche magnetische Felder erzeugen. Diese Felder können benachbarte leit-fähige Objekte, wie beispielsweise erdverlegte Rohrleitungen beeinflussen. Verläuft eine Rohrleitung parallel zu einer Freileitung, so bildet sie zusammen mit dem Stromrückweg über das Erdreich eine geschlossene Leiterschleife. Gemäß dem Faraday’schen Induktionsgesetz in differentieller Form wird in einer solchen Leiterschleife eine elektrische Spannung induziert. Die Induktions-spannung verteilt sich entlang der beeinflussten Leitung und stellt eine potentielle Gefährdung dar.
Nur Rohrleitungen, die über (längere Strecken) parallel zur Freileitung verlaufen oder diese unter einem geringen Winkel kreuzen, unterliegen dieser Form der Beeinflussung. Verläuft eine Rohrleitung hingegen senkrecht zur Freileitung, so ist die aufgespannte Fläche der resultierenden Leiterschleife parallel zu den magnetischen Feldlinien. In diesem Fall erfolgt keine oder nur eine vernachlässigbare magnetische Durchflutung, und somit auch keine nennenswerte Induktion.
Die induktive Beeinflussung kann zu erheblichen Risiken für Personen, insbesondere bei Berührung freiliegender leitfähiger Teile, führen. Außerdem kann sie die Integrität der Schutzumhüllung beeinträchtigen und zur (verstärkten) Wechselstromkorrosion an Fehlstellen der Stahlrohrleitung führen. In sicherheitskritischen Bereichen sind daher technische Maßnahmen wie Erdung, Potentialsteuerung oder Isolierkupplungen erforderlich, um die Auswirkungen der induktiven Beeinflussung zu minimieren.
